Auswirkungen von Zinsbindung, Zinsniveau und variablen Zinssätzen bei Immobilienfinanzierungen
Jun 8th, 2010 | By admin | Category: BaufinanzierungZinsbindung, Zinsniveau und variable Zinssätze
Derzeit befindet sich die Kreditbranche in einer Niedrigzinsphase, in der auch Darlehen mit langen Laufzeiten, wie beispielsweise für Immobilien- oder Baufinanzierungen, mit günstigen Zinssätzen um fünf Prozent – im Vergleich beträgt der durchschnittliche Hypothekenzinssatz 7,9 Prozent - angeboten werden. Wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllen möchte, sollte also in einer Phase mit niedrigem Zinsniveau zugreifen.
Dauer der Zinsbindung
In Zeiten günstiger Zinsen gilt: Je länger man sich als Kunde den niedrigen Darlehenszins sichern kann, desto besser, denn desto geringer fällt die zu zahlende Zinsbelastung aus. Es sollte daher eine möglichst lange Zinsbindungsdauer vereinbart werden. Zinsbindung bedeutet, dass der zu Vertragsbeginn vereinbarte Darlehenszins während der gesamten Zinsbindungsfrist konstant bleibt, somit weder steigt noch sinkt. Deshalb können in Niedrigzinsphasen durchaus auch sehr lange Zinsbindungsfristen – empfohlen wird bis zu fünfzehn Jahren – sinnvoll sein. Dies gilt besonders deshalb, weil der Gesetzgeber grundsätzlich allen Darlehensnehmern ein außerordentliches Kündigungsrecht nach zehn Jahren zugesteht. So stände auch einer vorzeitigen Darlehensablösung, wenn ein größerer Betrag zur Verfügung steht, nichts im Wege. Anders verhält sich der Sachverhalt in Zeiten eines hohen Zinsniveaus. Hier sind möglichst kurze Zinsbindungsfristen zu empfehlen, um bei sinkendem Zinsniveau auch von besseren und günstigeren Konditionen profitieren zu können.
Sind Angebote mit variablem Zinssatz eine sinnvolle Alternative?
Alternativ zu Darlehensangeboten mit fest vereinbarten Zinsbindungsfrist haben Kreditinstitute auch Finanzierungen mit variablen Zinssätzen im Angebot. Hier ist die Entwicklung des monatlichen Darlehenszinses an den Verlauf des Leitzinses gekoppelt. Das bedeutet: Sinkt der aktuelle Leitzins, verringert sich auch der eigene Zinssatz – gleiches gilt umgekehrt im Falle einer Steigerung des Zinses. Auf den ersten Blick erscheinen damit Finanzierungen mit variablem Zinssatz als gute Alternative – besonders in Hochzinsphasen. Doch hier trügt der erste Schein: Besonders für langjährige Immobilien- oder Baufinanzierungen sind variable Zinssätze ungeeignet, weil bei stetig steigenden Zinsen die komplette Finanzierungsplanung ins Wanken gerät. Bei Immobiliendarlehen bieten Kreditangebote mit variablem Zins ein zu hohes Maß an Unsicherheit, weil die zukünftige Entwicklung des Leitzinses nicht vorausgesehen werden kann und somit eine zuverlässige Finanzierungsplanung unmöglich macht. Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit variablen Zinssätzen ist, dass Kreditinstitute häufig nur steigende Leitzinsen umgehend an ihre Kunden weitergeben. Sinkt der Leitzins dagegen, dauert es oft einige Monate bis auch die Kreditnehmer von günstigeren Darlehenszinsen profitieren.
Angebote mit variablem Zinssatz sind besser für kurzfristige Kredite geeignet!
Kredite mit variablem Zins sind aufgrund ihrer Ausgestaltung und ihres Charakters eher als kurzfristige Finanzierungsmöglichkeit – mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren – ratsam. Im Rahmen der Immobilienfinanzierung könnte man beispielsweise ein so genanntes Vorschaltdarlehen abschließen, um sich während einer Hochzinsphase nicht dauerhaft an die schlechten Konditionen der Finanzen binden zu müssen. Das Vorschaltdarlehen könnte mit einem variablen Zinssatz ausgestattet werden. Sinkt das Zinsniveau dann, wird das Vorschaltdarlehen in eine herkömmliche Immobilienfinanzierung mit fester Zinsbindungsfrist umgewandelt!
