Unternehmensfinanzierung
Definitionsgemäß ist die Unternehmensfinanzierung die Planung und Durchführung der finanzwirtschaftlichen Aspekte eines Unternehmens. Zum einen gilt es, im Rahmen der Unternehmensfinanzierung die Liquidität eines Unternehmens zu sichern, also die Fähigkeit, fällige Zahlungen rechtzeitig leisten zu können.
Zum anderen - meistens der schwierigere Part - befasst sich die Unternehmensfinanzierung mit der Beschaffung von Kapital, wobei Kapital hier Finanzmittel (=Geld), Anlagen und Rechte und mehr umfassen kann. Da die Begriffsdefinition von Kapital an sich schon Bücher von Volkswirten, Betriebswirten und Historikern und Politkern füllt, belassen wir es hier mit der knappen Definition.
Wichtiger vielmehr ist die Aufteilung des Kapitals in die beiden Begriffe Eigenkapital und Fremdkapital oder auch Innenfinanzierung und Aussenfinanzierung (was nicht gleich ist, aber in dieselbe Richtung passt). Letztendlich heisst Unternehmensfinanzierung hier, die Planung der Kapitalstruktur in Form vom Verhältnis von Eigenkapital unf Fremdkapital.
Das Unternehmen muss also zielführend mit dem Kapital jonglieren, um ein bestmögliches Verhältnis aus Risiko und Rendite (= Gewinn) zu ermöglichen.
Ein Beispiel:
Unternehmer Fliesenfred hat in sein Unternehmen 100.000 Taler aus eigenen Mitteln investiert (also Eigenkapital). In einem Jahr macht Fliesenfred einen Gewinn von 15.000 Taler. Damit halt er also eine Rendite von 15% auf sein Eigenkapital erwirtschaftet. Der Markt für Fliesen ist groß und Fliesenfred könnte noch viel mehr Gewinn und Umsatz machen, wenn er mehr Kapital für Materialeinkauf und Personal hätte. Aber er hat ja nur seine 100.000 Taler (seinen Gewinn hat er für sein Leben verbraucht) zur Verfügung. Daher besorgt er sich von Dritten (seiner Oma oder wenn er Glück hat von seiner Bank) nun Fremdkapital, hier weitere 100.000 Taler. Für dieses Fremdkapital muss er 10% Zinsen pro Jahr zahlen, also 10.000 Taler.
Fliesenfred geht in ein neues Geschäftsjahr, das genauso gut verläuft wie das vergangene Jahr. Nur hat er jetzt 200.000 Taler zur Verfügung (100.000 Taler Eigenkapital, 100.000 Taler Fremdkapital). Wieder schafft er es, damit 15% Gewinn zu erwirtschaften, jetzt also 30.000 Taler. Von diesen 30.000 Talern muss er noch 10.000 Taler als Zinsen an seinen Kapitalgeber zurückzahlen (=Fremdkapitalkosten), es verbleiben ihm also 20.000 Taler.
Nur durch sein Eigenkapital hätte er es wieder auf 15.000 Taler gebracht, nun auf 20.000 Taler. Also hat sich durch den Einsatz von Fremdkapital sein Gewinn um 1/3 erhöht.
Berauscht durch diesen Erfolg besorgt sich Fliesenfred nun mehr Kremdkapital, um diesem schönnen Effekt nun endlich zu Reichtum zu kommen. Es gelingt ihm, weitere 800.000 Taler Fremdkapital zu besorgen (was im realen Leben sicherlich eher schwieriger sein dürfte). In sein drittes Geschäftsjahr geht er nun also mit insgesamt 1.000.000 Taler. An die Erfolge der beiden Vorjahre kann er nicht mehr so ganz anknüpfen und sein Gewinn verringert sich auf 5%, also 50.000 Taler. Davon muss er nun die Zinsen für sein Fremdkapital bezahlen, also 90.000 Taler. Damit hat er in diesem Jahr einen Verlust von 40.000 Taler erwirtschaftet. Schade eigentlich.
Hätte er sich weiterhin nur auf sein Eigenkapital verlassen und klein geblieben, hätte er immer noch 5000 Taler Gewinn gemacht. In der zweiten Variante mit nur 100.000 Taler Fremdkapital wäre er immer noch recht glimpflich davon gekommen mit einem Verlust von insgesamt 5000 Talern.
An diesem simplen Beispiel sieht man, dass die Balance zwischen Eigenkapital, Fremdkapital, Gewinnaussicht und Risiko den Erfolg der Unternehmensfinanzierung bestimmen. Bestimmend hier ist der Hebeleffekt (engl. Leverage-Effekt). Hierbei gilt, dass die Rendite des Eigenkapitals sich nur erhöhen kann, solange die Rendite des Gesamtkapitals höher ist als die Rendite des Fremdkapitals.
Eigenkapital und Fremdkapital, Innenfinanzierung und Aussenfinanzierung
Leider ist es den meisten "Fliesenfreds" dieser Welt nicht vergönnt, spannende Ideen zur Unternehmensfinanzierung umzusetzen, da Gewinnaussichten und Kapitalbedarf zu gering sind. Für die Erhöhung des Eigenkapitals bietet sich nur die Bildung von Rücklagen an (= Gewinnthesaurierung) oder die Auflösung von stillen Reserven. Für die Gewinnung von Fremdkapital ist da eher der Gang zur Hausbank zielführend.
Insbesondere innovative und rasant wachsende Unternehmen mit spannenden Geschäftsmodellen haben hier schon viel mehr Wahlmöglichkeiten. Eigen- und Fremdkapital kann durch mezzanine Finanzierungen, Venture Capital, Business Angels und Beteiligungsgesellschaften- und -fonds gewonnen werden. Wichtig hierbei ist, dass bei diesen Finanzierungsvarianten die Kapitalgeber auch Risiko tragen, sich also am unternehmerischen Erfolg beteiligen. Dies lassen sie sich natürlich in der Regel auch besser bezahlen, als eine reiner Firmenkredit der Hausbank, der zwar zu günstigeren Konditionen zu erhalten ist, meisten aber auch stark abgesichert sein muss, damit die Bank ihr Risiko minimiert.
